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ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ – das ist der etwas umständliche Titel des neuen Albums von der Berliner Band ‘Die Türen’. Aber er vereint Dadaismus, Humor, Zweifel und Unentschlossenheit in einem und ist damit einer der geschicktesten seit Langem. Dem Album liegen Klebebuchstaben bei, damit die Rezipienten selbst Hand anlegen und sich einen eigenen Titel designen können. Ähnlich wie schon Barthes, der mit seinem Spruch ‘Der Autor ist tot’ dem Publikum eine neue Rolle zusprach, gibt auch die Band Die Türen für einen kurzen Augenblick das Ruder aus der Hand. Geschickter Schachzug, Marketing oder ernstgemeinte Kunstkritik?
Die damals dreiköpfige Band, aus der nordrhein-westfälischen Provinz kommend, gründete sich im Jahr 2002. Die drei Freunde wollten Musik machen, und da sie von keinem Label genommen wurden, gründeten sie gleich selbst eins mit dem Namen Staatsakt. Das existiert heute noch und hat unter anderem erfolgreiche Künstler wie den Berliner Bonaparte oder die österreichische Band Ja,Panik unter Vertrag. Sie sind also durchaus erfolgreich, die drei und inzwischen hängt Geld an dem Projekt, sowohl an der band als auch an dem Label. Das wird von ihnen mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Erfolg kann nämlich auch scheitern sein, jedenfalls dann, wenn man die Revolutionsgedanken und die Hoffnung auf eine bessere Welt im Laufe der Zeit immer mehr nach hinten schiebt und schließlich zugunsten von Büroarbeit, Geld und Altersvorsorge fallen lässt.
Doch das soll kein Vorwurf sein, und der Musik von den Türen hört man die neue Konformität nicht an. Die Band ist inzwischen fünf-köpfig, dazugekommen ist Andreas Spechtl, umtriebiges Mitglied von Ja,Panik, der auch schon Christiane Rösinger bei ihrem Soloalbum unterstützt hat, und Michael Mühlhaus, Ex-Blumfeld-Keyboarder, der dem ABC-Album einen gnadenlosen Beat unterlegt. Die Songtexte bewegen sich in ihrer Kryptik irgendwo zwischen Twiitermeldungen, Feuilletontiteln und Dada-Fragmenten. Das Album ist im Februar auf dem Label Staatsakt erschienen, und wer Spaß an pfiffiger Unterhaltung hat, die sowohl ein Stirnrunzeln als auch schelmisches Lächeln zulässt, sollte sich einen der Auftritte der Band nicht entgehen lassen.
